Eine Hand voll Fragen an… Arzt Theodor Rüber!

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 Kurzprofil

Mein Kontakt zu Dr. med. Theodor Rüber (Klinik für Epileptologie, Universitätsklinikum Bonn) kam durch ein auf Facebook gepostetes Video über das Projekt CASA HOGAR zustande. Ich bin begeistert, dass junge Mediziner über den Tellerrand sehen und auch Menschen in anderen Ländern helfend zur Seite stehen und beispielsweise die Frauenbildung in Kolumbien fördern.

Weitere Infos zum Projekt CASA HOGAR @ www.casa-hogar.de

Die Facebook-Seite zum Projekt @ www.facebook.com/casahogaristmina

 Das Interview 

Frage 1: Welche Bedeutung hat Bewegung für Sie und Ihr Leben?

Theodor Rüber: Ein zentrale! Einmal als körperliche Bewegung, die ein wichtiger Ausgleich für meine hauptsächlich sitzende Tätigkeit im Beruf ist. Auf der anderen Seite aber auch als geistiges Prinzip. Ich glaube, es gibt wenig hemmenderes als ein bewegungsloses Verharren in alten Strukturen. Also nicht, dass die alten Strukturen immer die schlechten sind, aber wenn sie noch die richtigen sind, muss das stets neu begründet werden und wenn nicht, dann müssen neue aufgebaut werden. Beides bedeutet Bewegung!

Frage 2: Sie sind Assistenzarzt am Universitätsklinikum Bonn? Wie halten Sie sich fit und gesund?

quadratlatsche-farbig_005Theodor Rüber: Ich fahre mit dem Fahrrad auf den Venusberg, wo die Uniklinik liegt, aber ich gehe auch mehrmals die Woche joggen und ins Fitnessstudio. Einmal die Woche mit den Kollegen aus der Klinik.

Frage 3: Sie sind Mitinitiator des Projektes CASA HOGAR in Kolumbien. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Projekt ins Leben zu rufen?

Theodor Rüber: Ausgangspunkt war die Begegnung mit geschätzt achtjährigen Mädchen, die sich in einer von Rebellengruppen kontrollierten Stadt in Kolumbiens Armenhaus, dem Chocó, prostituieren müssen, um zu überleben.

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Dr. med. Theodor Rüber (Foto: privat)

Frage 4: Mit welchen Schwierigkeiten wird der Fortschritt Ihrer Projektarbeit konfrontiert?

quadratlatsche-farbig_005Theodor Rüber: Glücklicherweise wurden wir bisher noch nicht mit größeren Schwierigkeiten konfrontiert. Nach der Idee, ein Hilfsprojekt wie CASA HOGAR zu gründen, konnte ich eine Handvoll sehr kreativer Freunde dafür begeistern, ohne die alles keine Chance gehabt hätte. Kurze Zeit später haben die Bistümer Aachen und Köln angefangen, uns völlig unkompliziert und pragmatisch zu unterstützen. Zwei Monate nach Beginn der Spendenkampagne konnten wir mit dem Bau eines ersten Hauses für junge von sexueller Gewalt bedrohte Mädchen im Chocó beginnen. Das hatte ich so nicht erwartet und macht mich sehr dankbar. Trotzdem wird ein Projekt wie CASA HOGAR eher früher als später in größere Schwierigkeiten geraten. Da mache ich mir nichts vor. Allerdings sind wir mittlerweile so gut aufgestellt, dass ich keine Sorgen mehr um den schließlichen Erfolg unseres Unterfangens mache.

 

Frage 5: Welche Bewegungsmöglichkeiten und Sportangebote bieten Sie den Frauen von CASA HOGAR?

Theodor Rüber: Körperliche Bewegung ist dort ein viel organischerer Teil des Alltags als bei uns. Bewegung und Sport müssen in unsere durchökonomisierten Tagespläne reingequetscht werden. Viele Besucher des Fitnessstudios, in das ich auch gehe, fahren einige Kilometer mit dem Auto dorthin, um dann mit dem Fahrstuhl (statt mit der Treppe) auf die Ebene mit den Laufbändern zu kommen. Das wäre im Chocó unmöglich – allerdings auch aus Gründen, die ansonsten nur von Nachteil sind.

Herzlichen Dank für dieses Interview!

[Kathrin Rosi Würtz, 2016]

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