Eine Hand voll Fragen an… Coach Tanja Köhler!

Kurzprofil

Autorin, Rednerin und Psychologin Tanja Köhler ist durch ihr Buch „Das Jahr, als ich anfing, Dudelsack zu spielen“ bekannt geworden. Ich begegnete ihr vor einigen Wochen das erste Mal während eines Vortrags auf Europas größter Messe für Frauen in Bonn, der women & work 2017. Webseite von Tanja Köhler: www.die-tanja-koehler.de

Das Interview

Frage 1: Welche Rolle spielt das Thema „Bewegung“ in Ihrem Leben?

Diese schöne Frage beantworte ich am besten mit einer wahren Begebenheit aus meinem Leben …

Vor einigen Jahren bin ich mit meinem Mann und meinem Sohn in Südtirol den Kleinen Ifinger hochgewandert, auf 2.552 Meter. Eine tolle, aber durchaus anstrengende Tour. Unterwegs ist uns ein schlankes Pärchen entgegen gekommen. Die zwei waren schon beim Abstieg. Anstelle des sonst üblichen Wandergrußes sagte der Mann zu mir: „ …Da hinten geht ein flacher Weg hoch!“. Ich schaute den Mann verdutzt an und dachte kurz nach: „ … Sie sind also der Meinung, dass ich zu fett dazu bin, um hier hoch zu gehen!? …“ Seine Reaktion: „Nein, nein! Ich wollte nur sagen, dass es da hinten einen flachen Weg gibt!“ Ich ließ seine Worte auf mich wirken, schaute ihm dann direkt in die Augen und wiederholte meine erste Aussage: „NochmalSie sind also der Meinung, dass ich zu fett dazu bin, um hier hoch zu gehen!? …“ Sichtlich peinlich berührt schaute der Mann kurz auf den Boden und dann wieder zu mir und sagte: „Ja, Sie haben Recht. Ich habe gedacht, dass Sie zu dick sind, um hier hoch zu kommen. Aber: Meine Aussage tut mir leid, denn ich sehe ja, dass Sie es schaffen“.

Ich glaube fest daran, dass Beweglichkeit nicht nur körperlich, sondern vor allem auch im Geiste stattfindet. Ich habe mich getraut, mein Gefühl in Sprache zu übersetzen. Und der Mann hat sich getraut, ehrlich zu antworten und sich von seiner vorgefassten Meinung fort zu bewegen. Ich weiß noch wie heute, dass der Mann und ich uns nach diesem seltsamen Dialog auf fast 2.300 Meter Höhe gegenseitig voller Respekt ansahen. Lediglich seine Frau hatte sich nicht bewegt. Bevor sie weiterging, sagte sie zu mir: „Na dann sehen Sie es mal so, dass die letzten 250 Höhenmeter ein echter Ansporn für Sie sein könnten“ …

Ich liebe es, mich zu bewegen. Und kein Berg ist mir zu hoch, kein Aufstieg zu steil, kein Weg zu lang. Egal wie schwer ich bin und wie sehr ich schnaufen und schwitzen muss. Was ich aber genauso liebe, ist die Bewegung in den Köpfen der Menschen. Ich freue mich, wenn ich es „Klacken“ höre und die Menschen ihre Haltung, ihre Einstellung ändern. Nach einem solchen „Klacken“ werden die Bewegungen anders – oder wie ich es so gerne sage: „Erkenntnisse klären, Handeln verändert“. Aber ich weiß auch: Ich kann nicht jeden erreichen. Wenn ich kein „Klacken“ wahrnehme, dann weiß ich: Stillstand im Kopf. Keine Bewegung.

Leidenschaftliche Dudelsackspielerin (Foto: Tanja Köhler)

Frage 2: Ihr Unternehmensmotto lautet „Verantwortung übernehmen!“. Was verbirgt sich konkret hinter dieser Aussage?

Frei nach Moliere bin ich der Überzeugung „Du bist nicht nur für das verantwortlich, was Du tust, sondern auch für das, was Du nicht tust.“ In meinem Buch zum Beispiel beschreibe ich das Jammern der Menschen und unterscheide verschiedene Jammertypen wie zum Beispiel den Jammer-Junkie. Bei diesem Jammertyp fühlt sich irgendwie alles, was er oder sie sagt, nach „Jammern“ an. Alles ist schlecht, alles doof! Und überhaupt und so. Alle anderen sind schuld, nur er selbst kann ja nichts dafür. Jeder von uns kennt mindestens einen solchen Jammer-Junkie.

Denken Sie mal an einen solchen Jammer-Junkie aus Ihrem Umfeld! Was müsste eigentlich passieren, damit dieser Jammer-Junkie aufhört zu jammern? Und mit „Aufhören“ meine ich nicht nur ein einfaches „Verstummen“. Ich bin der Überzeugung, dass ein solcher Mensch dann Verantwortung für sich und sein Leben übernehmen und eine Entscheidung von großer Tragweite treffen müsste: nämlich in den meisten Fällen ein komplett neuer Lebensentwurf. Mit allem „Für und Wider“, mit allen Risiken und Unbekannten. Wenn ein Jammer-Junkie so weit kommt und Verantwortung für sich übernimmt, dann ist kein anderer mehr Schuld an seiner Situation, sondern er hält die Möglichkeiten seines Lebens in seinen Händen.

Frage 3: Sie sind leidenschaftliche Speakerin und Coach. Wie halten Sie sich persönlich fit und gesund?

*grinst*. Zum einen habe ich einen Schrittzähler, der mich jeden Tag daran erinnert, mindestens auf 10.000 Schritte zu kommen. Seit fast 3 Jahren begleitet mich dieser Schrittzähler schon. Und an 4 von 7 Tagen gelingen mir die 10.000 auch. Manchmal sogar über Wochen hinweg und oft sogar mehr als 20.000 Schritte. Geschäftlich reise ich ja viel – oft mit meinem Auto. Im Auto fahren zum Beispiel immer Walking-Schuhe und Stöcke mit. So gibt es keine Ausrede, nicht zu laufen.

Und zum anderen durch frische und gesunde Ernährung. Wer mich persönlich kennt, der weiß: kein Fastfood. Alles wird immer frisch zubereitet.

Stellt sich zu Recht die Frage, woher dann mein Übergewicht kommt. Viel Bewegung, gute Ernährung und trotzdem Kleidergröße 48? Naja, zum einen gibt es Phasen, in denen ich dicker bin und Phasen, in denen ich schlanker bin. Derzeit ist wieder eine Dick-Phase. Aber ich habe aufgehört, mich dafür zu schämen. Auch wenn ich tatsächlich lieber schlanker bin als jetzt, so gehört das Übergewicht eben auch zu mir. Und an alle, die mir nun schreiben wollen, was mir helfen könnte: Nein DANKE, ich habe alles ausprobiert. Ich weiß, wie Bewegung funktioniert. Und ich weiß, wie Essen gesund zubereitet wird und was man essen soll. Es gibt eben einen Teil in mir, den ich nicht steuern kann. Auch als Psychologin nicht. Und dann gibt es eben halt Attacken, in denen ich Süßes gerne esse. Wichtig für mich ist, dass meine Grundeinstellung stimmt: ich liebe viel Bewegung und gutes, gesundes Essen. Und so halte ich mich fit und fühle mich auch fit. Trotz der Pfunde zu viel.

Übrigens: Fit halte ich mich auch im Geiste – ich bilde mich stetig weiter, lese für mein Leben gern und diskutiere mit Kolleginnen und Kollegen über das, was in unserer Gesellschaft und auf unserer Welt so passiert.

Frage 4: Auf welche Art und Weise motivieren Sie sich, wenn Sie mal einen „Durchhänger“ haben?

Hmmmm… Das passiert in der Tat sehr, sehr selten. Ich kann mich gerade gar nicht daran erinnern, wann ich zuletzt einen Durchhänger hatte. Ich glaube, dass ich von Grund auf eine hohe intrinsische Motivation habe. Egal in welchem Bereich. Ich arbeite für mein Leben gerne. Ich bewege mich für mein Leben gerne. Ich verbringe für mein Leben gerne die Zeit mit meiner Familie. Ich engagiere mich für mein Leben gerne für meine Ehrenämter als Botschafterin des Kinderhospiz Sternschnuppe, als Gemeinderätin meiner Heimatgemeinde sowie als engagierte Charityrednerin mit meinen Kollegen von 7 SCHWABEN SPEAKER. Dass ich so gut wie keine Durchhänger habe, liegt wahrscheinlich daran, dass ich das, was ich tue, für mein Leben gerne tue. Aber das ist nicht einfach so von heute auf morgen passiert. Immer wieder musste ich in meinem Leben ehrliche Entscheidungen treffen. Und die waren nicht immer angenehm. Und oft auch waren sie traurig. Aber immer wenn ich festgestellt habe, dass ich mich über etwas beschwere – jammere – habe ich mir die Frage gestellt: „Wenn ich mutig wäre und keine Angst vor nichts hätte: was würde ich dann tun?“ Und so gab es Trennungen von unliebsamen Menschen oder auch Trennungen von Jobs, die mich nicht erfüllten. Und das manchmal auch scheinbar blauäugig: ohne Netz und Boden – ohne Absicherung. Aber es ist immer wieder alles gut geworden und hat mich zu dem Leben gebracht, das ich heute führe. Erfüllt und nur gaaaaaaaaaaaanz selten mit einem Durchhänger. (Und so grübele ich immer noch darüber nach, wann ich den letzten Durchhänger hatte). Menschen, die einen „Durchhänger“ haben, würde ich den Tipp geben, sich offen zum Durchhänger zu bekennen, aber auch ganz ehrlich zu hinterfragen, wofür denn eigentlich ihr Durchhänger steht. Für eine notwendige Pause, damit es dann besser wird? Oder vielleicht weil sie etwas tun, was eigentlich gar nicht „ihres“ ist? Weil andere es tun und „man“ es dann auch tun muss? ….

Prinzessinnen-Stiefeletten Größe 43 (Foto: Tanja Köhler)

Frage 5: Und zum Schluss eine typische Quadratlatschen-Frage: Welche Schuhe ziehen Sie am liebsten an und warum tragen Sie diese so gerne?

Gemäß der Lektüre „Des Kaisers neue Kleider“ laufe ich am allerliebsten barfuß durch diese Welt. Ich lebe mit Schuhgröße 43 auf großem Fuße und alles, was mich unten einengt, engt mich auch im Geiste ein. Früher beneidete ich meine Mitschülerinnen um ihre schönen Schuhe und zwängte mich in die neueste Mode rein. Ein fettes Hühnerauge habe ich aus dieser Zeit davon getragen. Gott sei Dank gibt’s aber inzwischen auch wundervolle Schuhmode für große Größen und so kann ich alles kaufen, was mein Herz begehrt. Auch wenn es nicht immer kostengünstig ist.

Meine absoluten Lieblingsschuhe trage ich derzeit immer auf der Vortragsbühne. Ich nenne sie liebevoll Prinzessinnen-Stiefeletten – ein Mix aus rosa Blümchen-Mädchen-Design und attraktiver Burschikosität (Hinweis: in Pumps würde ich mich seltsam fühlen). Meine Prinzessinnen-Stiefeletten sind Schuhe, wie sie meine Mutter früher bestimmt gerne gehabt hätte. Damals nach dem Zweiten Weltkrieg; damals als meine Mutter Teenager war und unbeschwert wie alle anderen tanzen gehen wollte. Und es für sie mit ihrer Schuhgröße 44,5 oftmals in einer spöttischen Demütigung endete – weil es für Frauen mit dieser Schuhgröße nur altbackene Männerschuhe gab. So richtige Quadratlatschen eben. Ich trage meine Prinzessinnen-Schuhe so gerne, weil ich damit meiner Mutter ein Lächeln schenke und die alte Quadratlatschen-Zeit ihren Schrecken verloren hat.

Herzlichen Dank für dieses spannende Interview!

Die Fragen stellte Kathrin Rosi Würtz, 07/2017


Webseite von Tanja Köhler: www.die-tanja-koehler.de