Eine Hand voll Fragen an… Geologe Sven von Loga!

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 Kurzprofil

Sven von Loga hat Geologie studiert und ist zertifizierter Natur- und Landschaftsführer. Er veranstaltet vulkanologische und geologische Exkursionen in den Rheinlanden, in der Eifel, im Bergischen Land, im Siebengebirge und auf den Kanarischen Inseln. Er ist tätig als Dozent an verschiedenen Volkshochschulen im Rheinland, berichtet in diversen Medien regelmäßig über geologische Reisethemen und ist Verfasser mehrerer geologischer Natur- und Exkursionsführer.

 Das Interview 

Frage 1: Was bedeutet Bewegung für Sie und Ihr Leben?

Sven von Loga: Leben ohne Bewegung geht überhaupt nicht. Bewegung ist notwendig, um den Körper und den Geist fit zu halten. Wenn ich mich nicht bewege, dann fühle ich mich recht bald eingerostet und krank. Während ich früher intensiv Sportarten wie Rennradfahren, Schwimmen und Reiten betrieben habe, gehe ich heute Wandern, das aber recht intensiv, ich gehe gerne 20 km am Tag. Wichtig ist für mich dabei auch das Erleben der Natur, nicht nur die reine körperliche Tätigkeit, sondern auch das mentale Erlebnis. Ich genieße es, auf einem Berg zu sitzen und über die Landschaft zu schauen, ich genieße Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, ich genieße das Ziehen der Wolken, ich beobachte gerne Tiere und Pflanzen.

Der reine Leistungssport reizt mich nicht besonders, ich sehe keinen Sinn darin, unbedingt 45 km am Tag zu wandern, ohne rechts und links zu schauen, nur um mich an der geschafften Kilometerzahl zu erfreuen. Ebenso wenig sehe ich es als schön an, jeden Tag in einem Sportstudio auf dem Laufband zu joggen und dabei einen Film einer reizvollen Landschaft anzuschauen. Bewegung braucht auch das Erlebnis im Kopf, das beim Klettern, Wandern, Mountainbiken, Radfahren, Reiten oder wobei auch immer entsteht.

Porto Santo (Foto_Sven von Loga)

Porto Santo (Foto: Christiane von Loga)

Frage 2: Sie haben Geologie studiert. Wie bewegt ist die Erde unter unseren Füßen hier in Deutschland?

quadratlatsche-farbig_005Sven von Loga: Die Erde in Deutschland ist – derzeit – glücklicherweise relativ unbewegt. Es gibt keine aktiven Plattengrenzen, an denen die eine Erdplatte unter die andere taucht, wie bspw. in Italien oder an Grenzen, an denen zwei Kontinentalplatten aneinanderstoßen wie bspw. im Himalaya. Das sind stets Zonen, in denen es zu schweren Erdbeben kommt, wie vergangenes Jahr in Nepal oder im Jahre 2009, als ein Erdbeben die italienische Stadt d`Aquila zerstörte.

Auch der Vulkanismus in Deutschland ist derzeit ruhig. Der Vulkanismus des Siebengebirges ist sowieso seit Jahrmillionen erloschen, der in der Osteifel seit 11.000 Jahren ruhig. Wenn auch die Vulkanologen für die Osteifel weitere Vulkanausbrüche vorhersagen, so ist es doch derzeit vollkommen still, ganz anders als in aktiven Vulkanregionen wie bspw. in Indonesien.

Frage 3: Sie sind oft mit Naturinteressierten zwischen Bonn und Köln auf Tour. Was fasziniert Sie an der Natur?

Sven von Loga: Natur ist unendlich spannend und zugleich unendlich entspannend. Es ist faszinierend, sich mit der Geologie, der Botanik und der Tierwelt zu befassen. Es ist spannend, die Erdgeschichte zu rekonstruieren oder Tiere in der Wildnis zu beobachten. Aber genauso bedeutet es für mich ein Höchstmaß an Entspannung, einen Sonnenuntergang zu beobachten, die Wolken ziehen zu sehen oder durch den Wald zu streifen. Da fehlt der gesamte zivilisatorische Stress und die Hektik des täglichen Lebens.

Natürlich können in der heutigen Zeit die meisten Menschen ein gewisses Maß an Stress nicht vermeiden, aber viele Menschen machen sich den Stress auch künstlich. Statt in noch einem Verein aktiv zu sein und zu noch einem Event zu rasen, kann man sich auch einfach einen Abend lang an den Rhein setzen und schauen, wie die Schiffe fahren. Das entspannt, ist wahrscheinlich auch eine Burn-Out-Prophylaxe und kosten tut es auch nichts.

Auf dem Leyberg (Foto: Sven von Loga)

Auf dem Leyberg (Foto: Sven Meurs)

Frage 4: Eine Ihrer Veranstaltungen trägt den Titel „Rheinkiesel – Schatzsuche am Rheinufer“. Große Steine scheinen ja schwer verrückbar zu sein. Wie bewegt sind Steine tatsächlich?

quadratlatsche-farbig_005Sven von Loga: Gesteine sind sehr bewegt, man muss nur die Dimension Zeit hinzunehmen. Auf den ersten Blick bewegen sich Gesteine nur selten, bspw. bei Erdbeben oder bei einem Erdrutsch. Die Geologie aber rechnet im Allgemeinen in Zeiteinheiten von vielen Jahrtausenden bis zu Jahrmillionen. In solchen Zeiträumen können sich massive Gesteinspakete verbiegen und verfalten, können Kontinente hin- und herwandern, es können Inseln entstehen. Es können aber auch ganze Gebirge verschwinden, weil sie von der Verwitterung abgetragen werden. Die Gesteine der Erde sind also doch recht bewegt, für den Menschen problematisch ist seine kurze Lebensdauer, er nimmt es in seinem Zeitraum kaum wahr.

Auf dem Asberg (Fot: Sven von Loga)

Auf dem Asberg (Foto: Sven Meurs)

Frage 5: Was war Ihr aufregendstes Erlebnis im Siebengebirge?

Sven von Loga: Einmal habe ich zufällig – ohne ihn zu suchen – einen Uhu mit zwei Jungvögeln lange beobachtet. Natürlich mit dem Fernglas. Dann war ich mal nachts bei Schneesturm auf der Löwenburg, das ist auch spannend.

Herzlichen Dank für das spannende Interview!

[Kathrin Rosi Würtz, 2016]

Webseiten von Exkursionsleiter und Geologe Sven von Loga:

 

In der Natur unterwegs (Foto: Sven von Loga)

In der Natur unterwegs (Foto: Christiane von Loga)

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