Eine Hand voll Fragen an… Paläontologin Ivette Weitz!

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 Kurzprofil

  • Ivette Weitz, geboren in Berlin und wohnhaft in Bonn
  • 2007 bis 2013: Bachelor Geologie/ Paläontologie, Master Geoscience and Environment an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Abschlussarbeiten in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde: Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin
  • seit 2014: tätig im Goldfuß-Museum der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Tätigkeitsfelder: Sammlungspflege, Museumspädagogik, Öffentlichkeitsarbeit
  • seit 2015: Freie Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Bundesministerium des Innern
 Das Interview 

Frage 1: Wissenschaftler müssen viele Studien lesen und in Büchern wälzen. Außerdem grübeln sie stundenlang im Sitzen über Texten, so zumindest ein gängiges Klischee. Wie bewegt ist Ihr Arbeitsalltag und wie halten Sie sich in Bewegung?

Ivette Weitz: Das Klischee entspricht tatsächlich der Wahrheit, aber schon A. Einstein sagte „Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht“. Mein Faible für Filmgeschichte trägt zwar eher zum Sitzen bei, aber der Umstand kein Auto zu besitzen bedingt nicht nur meine täglichen Wege mit dem Fahrrad, sondern auch das Erkunden der für mich immer noch neuen Umgebung Bonns zu Fuß und mit dem Rad. Zudem gehe ich gern an der frischen Luft Joggen und zum Ausgleich für Stress mache ich Qigong.

Weitz mit T-Rex, Foto-Oleschinski

Ivette Weitz mit dem Tyrannosaurus Rex, Schädelabguss des Exemplares aus dem American Museum of Natural History in New York (Foto: Oleschinski)

Frage 2: Sie haben den Master of Science in „Geosciences and Environment“ absolviert. Wie kam es zu dieser Studienwahl?

quadratlatsche-farbig_005Ivette Weitz: An dieser Stelle könnte ich lange über den Studiengang selbst referieren. Tatsächlich hatte ich mich nach dem Bachelor in Geologie und Paläontologie an der Universität Greifswald jedoch nicht von der Ostseeregion trennen wollen und blieb dort für den Master. Auch hatte die Fortsetzung meiner damals bestehenden Kooperation mit dem Naturkundemuseum Berlin ihren Anteil daran.

Frage 3: Sie arbeiten im Goldfuß-Museum der Universität Bonn. Dort können die Besucher vor allem Fossilien bestaunen. Wissenschaftler und Filmemacher bringen einem Dinosaurier, den sie nur aufgrund seiner versteinerten Knochen kennen, das Laufen für Spielfilme und Dokumentationen bei. Nun eine spezifisch quadratlatschige Frage: Was lässt sich anhand von versteinerten Dinosaurier-Spuren über deren Gangbild bzw. Laufbild rekonstruieren?

Ivette Weitz: Paläontologen, die sich mit Spurenfossilien, also dem Fachgebiet Palichnologie, beschäftigen haben es schwer, denn die Verursacher der Fährten sind leider selten am Ende dieser zu finden. Die Schrittlänge, Abstände der Trittsiegel zueinander und mögliche Schleifspuren sind wichtige Punkte. Rekonstruktionen der Körperhaltung und Fortbewegung von Dinosauriern fußen jedoch hauptsächlich auf der Knochenstruktur und den Gelenken der Tiere. Neue Funde und erweiterte technische Möglichkeiten zur Erstellung von Bewegungsmodellen ergeben immer wieder neue Erkenntnisse zum Thema Gang.

Sandsteinplatte mit Spurenfossilien der Ichnogattung Chirotherium barthii, Fundort Steinbruch Heßberg bei Hildburghausen, Oberer Buntsandstein, Alter 248 Millionen Jahre, Ausschnitt 1x1,2m (Foto: Weitz)

Sandsteinplatte mit Spurenfossilien der Ichnogattung Chirotherium barthii, Fundort Steinbruch Heßberg bei Hildburghausen, Oberer Buntsandstein, Alter 248 Millionen Jahre, Ausschnitt 1×1,2m (Foto: Weitz)

Frage 4: Welchem prähistorischen Tier würden Sie gerne mal live begegnen, um es aus nächster Nähe zu beobachten? Und warum?

quadratlatsche-farbig_005Ivette Weitz: Aus wissenschaftlicher Sicht wäre es höchst spannend auf Dinosaurier und Säugetiervorfahren zu treffen, um die Frage des Beginns der Warmblütigkeit bei Säugetieren und Vögeln zu klären. Ich persönlich würde mich aber auch über das etwas behebige Diprotodon optatum, den eiszeitlichen Riesenwombat freuen und ihn bei seinem wenig spannungsgeladenen Tagewerk beobachten.

Frage 5: Wie bewegen Sie Menschen dazu, sich mit der Erdgeschichte auseinanderzusetzen und davon fasziniert zu sein?

Ivette Weitz: Für viele Besucher ist das Thema Paläontologie sehr spannend, aber die geologischen Zusammenhänge und Zeiträume wenig greifbar. Um das Thema mit Hand und Fuß darzustellen, habe ich die Veranstaltungsreihe „Eine Safari durch die Erdgeschichte“ ins Leben gerufen. Während meiner Stopps erlebt der Besucher die wichtigsten evolutionären und geologischen Etappen der Erdgeschichte anschaulich anhand eigens zusammengestellter Fossilien aus der Schausammlung und dem Magazin. In einer einleitenden Führung oder einem Vortrag stelle ich das jeweilige Thema vor, danach geht es im regen Austausch zu den Fossilien – betasten und betrachten unter Binokularen. Im ersten Jahr haben wir uns chronologisch von dem Erdzeitalter Präkambrium bis in das Quartär aufgemacht und dabei die Evolution der Tiere und Pflanzen, bis hin zu der Entwicklung des Menschen, erkundet. Nun klären wir weiterhin spannenden Fragen der Besucher zu Erdgeschichte und Evolution in dem familiären Rahmen dieser Veranstaltung.

Vielen Dank für das Interview!

[Kathrin Rosi Würtz, 2016]


Weitere Infos zur „Safari durch die Erdgeschichte“ vom Goldfuß-Museum Bonn:

https://www.steinmann.uni-bonn.de/museen/goldfuss-museum/eine-safari-durch-die-erdgeschichte-2
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