Eine Hand voll Fragen an… Übersetzerin Anne Leichtfuß!

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 Kurzprofil 

Für die Ausstellung TOUCHDOWN (Bundeskunsthalle Bonn, www.touchdown21.info) ist Anne Leichtfuß als Online-Redakteurin und Übersetzerin für Leichte Sprache tätig. Sie arbeitet für das Magazin OHRENKUSS gemeinsam mit Menschen mit Down-Syndrom.

Weitere Infos @ www.leichte-sprache-simultan.de

 Das Interview 

Frage 1: Welche Rolle spielt Bewegung in Ihrem Leben?

quadratlatsche-farbig_004Anne Leichtfuß: Ich bin viel in Bewegung. Für meinen Beruf als Dolmetscherin für Leichte Sprache muss ich viel reisen. Das bringt mich immer wieder an neue Orte und mit neuen Menschen zusammen – da bleibe ich automatisch in Bewegung. Diese Woche war ich in drei verschiedenen Städten. Ich mag das sehr, dadurch ist mein Leben sehr abwechslungsreich.

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Anne Leichtfuß in der Dolmetscherkabine (Foto: Sandra Stein, www.sandra-stein.de)

Frage 2: Sie setzen sich mit dem Thema „Klare Sprache“ beruflich auseinander. Wie kam es dazu? Was fasziniert Sie an den Themen „Kommunikation & Sprache“?

quadratlatsche-farbig_005Anne Leichtfuß: Das Thema einer neuen, vereinfachten Form der Sprache ist mir vor einigen Jahren im Rahmen meiner Bachelor-Arbeit zum ersten Mal begegnet. Außerdem arbeite ich seit knapp 7 Jahren mit vielen Kolleginnen und Kollegen mit Down-Syndrom zusammen. Da ist die Form der Kommunikation eine andere. Und wenn man sich darauf einlässt, nimmt der Gesprächsverlauf immer wieder überraschende Wendungen, weil diese Form der Sprache mehr Menschen mitnimmt und Teilhabe am gemeinsamen Denken ermöglicht, das gefällt mir sehr.

Die Idee, damit auch beruflich etwas zu machen, kam aber gar nicht aus mir selbst heraus. Es war so, dass ein Veranstalter in Berlin einen Dolmetscher oder eine Dolmetscherin für Leichte Sprache suchte und niemanden fand. Also war ich zu einem Experiment und Erstversuch bereit – und bin dabei geblieben.

Treffen mit dem Beirat TOUCHDOWN 21 Forschungsprojekt am Freitag, 4. März 2016 in Bonn

Treffen mit dem Beirat TOUCHDOWN 21 Forschungsprojekt in Bonn (von links nach rechts, Projekt-Leitung Dr. Katja de Bragança, Webmasterin Anne Leichtfuß, Beirats-Mitglied Julia Bertmann, Beirats-Mitglied Prof. Dr. Dr. Heinz Schott, Foto: Sandra Stein, www.sandra-stein.de)

Frage 3: Ende Oktober 2016 wurde die Ausstellung TOUCHDOWN in der Bundeskunsthalle eröffnet. Auch Sie waren an der Fertigstellung der Texte für diese Ausstellung beteiligt. Was war für Sie die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

quadratlatsche-farbig_004Anne Leichtfuß: Unser Ziel war von Anfang an: Alle Texte sollen gut verständlich sein. Es war klar, dass viele Fachtexte im Buch zu lesen sein würden. Fachtexte zu Chromosomen und Genetik, zu historischen Inhalten oder zu Rechten und Gesetzen. Solche Texte sind oft schwer zu verstehen, wenn man nicht Experte für das jeweilige Fachgebiet ist. Das geht nicht nur Menschen mit Down-Syndrom so. Darum haben wir uns dafür entschieden, das ganze Buch und alle Raum-Texte in der Ausstellung in klarer Sprache zu schreiben.

Und ja, Sie haben Recht, an manchen Stellen war das herausfordernd. Zum Beispiel, wenn es darum ging, mit verschiedenen Begrifflichkeiten aus unterschiedlichen Zeiten zu arbeiten. Zu Zeiten von John Langdon-Down wurden Menschen mit Down-Syndrom als „schwachsinnig“ oder „Idioten“ bezeichnet. Das war die gängige Ausdrucksweise in der Medizin. Das dann in eine verständliche und politisch korrekte aktuelle Form zu übertragen, hat zu vielen spannenden Gesprächen geführt.
Oder auch der Austausch mit den Autorinnen und Autoren der Texte zu Themen wie vorgeburtliche Diagnostik oder Genetik: Wie kann man es schaffen, dass der Text wissenschaftlich korrekt ist und trotzdem klar und verständlich? Das waren lange Gespräche und ein Feilen an den Nuancen. Das war toll und für alle Beteiligten ein Lernprozess.

Frage 4: Jeder Familienname hat eine Geschichte und in einem Quadratlatschen-AKTIV-Interview „muss“ ich Sie das fragen: Woher stammt Ihr Nachname?

Anne Leichtfuß: Mein Nachname ist schon sehr alt. Er stammt aus einem kleinen Dorf im Taunus. Zum ersten Mal aufgeschrieben wurde er im Jahr 1553. Der erste „Leichtfuß“ war ein Stroh-Dachdecker mit dem Vornamen Clas. Clas war damals ein sehr häufiger Name und die meisten Menschen hatten noch keine Nachnamen. Oft waren es dann Spitznamen, die sich zur Unterscheidung der Menschen mit demselben Vornamen durchgesetzt haben.

Clas Leichtfuß war ein Stroh-Dachdecker und so behände und sicher auf den Dächern unterwegs, dass sein Name gleichzeitig auch eine gute Werbung für ihn war und er ihn auch auf seinen Rechnungen benutzt hat. Clas hatte viele Nachkommen, und so kommt der Name in der Gegend rund um Idstein und Bad Camberg im Taunus bis heute ziemlich häufig vor.

Ich mag den Namen sehr, und auch bei mir passt er wieder gut zu dem, was ich beruflich mache.

Frage 5: Wie halten Sie sich fit und gesund?

quadratlatsche-farbig_004Anne Leichtfuß: Ich achte auf meine Ernährung. Gerade in Zeiten, in denen ich viel arbeite, achte ich darauf, dass die Lebensmittel, die ich esse, von guter Qualität sind, am liebsten bio und regional. Und ich achte auf regelmäßige Pausenzeiten, in denen ich wirklich den Kopf ausschalte und das System runterfahre. Das hilft mir, auch in stressigen Zeiten fit und gesund zu bleiben.

Anne Leichtfuß (Foto: Martin Langhorst, www.martinlanghorst.de)

Anne Leichtfuß (Foto: Martin Langhorst, www.martinlanghorst.de)

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